Hülsmann

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach den besinnlichen Weihnachtstagen und einem fröhlichen Jahreswechsel starten wir mit frischem Elan und unserem aktuellen Newsletter in ein spannendes Jahr 2011. Wir wünschen Ihnen für das bevorstehende Jahr Gesundheit, Erfolg sowie viele neue und interessante Aufgaben, die Sie beflügeln.

Im aktuellen Newsletter berichten wir, wie ein Lebensraum für Unterstützungsbedürftige in kleinen Wohneinheiten, in "Haus- oder Dorfgemeinschaften", beschaffen sein kann. Außerdem befassen wir uns mit dem "Referenzgebäude", ein irreführender Begriff im Rahmen der EnEV 2009.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!
Wilfried Hülsmann

 

  Aktuell |
Januar 2011 | #002


Wohnen wie im Dorf - Senioren- und Pflegeheime im Wandel


Was bedeutet Referenzgebäude in der EnEV 2009?
Wohnen wie im Dorf - Senioren- und Pflegeheime im Wandel

Im Jahr 2003 hatten 52 Prozent der Deutschen noch nie den Begriff "demografischer Wandel" gehört. Heute ist das Thema in aller Munde: wir werden immer älter und wir werden immer weniger. Ein demografischer Wandel in Deutschland, der auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene neue Lösungen fordert – vor allem in der Altenhilfe und -pflege. Denn neben dem demografischen Wandel ändern sich auch die Wünsche und Erwartungen älterer Menschen hinsichtlich des Wohnens und Lebens im Alter.

Das Büro HÜLSMANN beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit diesem Thema und entwickelt neue Lösungskonzepte für Neu- und Umbauten von Alten- und Pflegeheimen, die bereits in mehreren Bauprojekten, z.B. für den Deutschen Orden, erfolgreich umgesetzt werden konnten.

Der 1. Berliner Fachtag für innovative Lebenskonzepte, zu dem am 08.12.2010 die Berliner Stadtmission, die St. Elisabeth Diakonie und das Beratungsunternehmen KCR eingeladen hatte, war für uns somit eine willkommene Gelegenheit, um uns auf dem Gebiet weiter fortzubilden. Unter dem Motto "Leben in Gemeinschaft" wurde über die Zukunft stationärer Senioren-Einrichtungen diskutiert.

Das Konzept der Wohn- und Hausgemeinschaften stellte Hans-Peter Distelkamp-Franken in seinem Vortrag "Lebensräume – Räume fürs Leben" vor, der als Leiter des Stephanus-Seniorenzentrums Müggelspree, einer Einrichtung der St. Elisabeth Diakonie, zurzeit einen Neubau für sein Zentrum nach ebendiesem Konzept plant.

In Hausgemeinschaften von 12 Personen, die in Einzelzimmern oder in einem Apartment für zwei Personen wohnen, bildet eine Hausgemeinschaftsküche das Zentrum. Dort kann gekocht, gegessen, geredet - kurz: Alltag gelebt werden. Normalität, Menschlichkeit und Lebensqualität stehen bei diesem Konzept ebenso im Vordergrund wie Überschaubarkeit, Geborgenheit, Vertrautheit, Vielfalt und Individualität. Zusammenfassend beschreibt Herr Distelkamp-Franken das Prinzip der Hausgemeinschaft wie folgt: "Soviel Normalität und Eigenverantwortlichkeit wie möglich, soviel Betreuung und Hilfe wie nötig." Ein Prinzip, das wir nach unseren langjährigen Erfahrungen bei der Gestaltung von Senioren- und Pflegeheimen begrüßen und als sinnvoll erachten.

Bei dem Neubau und der Sanierung des Hauses St. Hildegard, ein Alten- und Pflegeheim des Deutschen Ordens in Oberdischingen, verfolgten wir ein ähnliches Architekturkonzept:
Wir sehen das Leben in einer Pflegeeinrichtung als Abbild einer realen Dorf- und Wohngemeinschaft, mit privaten und öffentlichen Bereichen wie Plätzen, Straßen, Vorgärten und Häusern/Wohnungen.

Die Flure der einzelnen Wohnbereiche nehmen das Bild der Straße auf, die Zonen vor den Zimmern entsprechen Vorgärten, die Zimmer selbst bilden das Haus/Wohnung, den privaten Rückzugsbereich. Der Gemeinschaftsbereich mit vorliegender Terrasse gleicht einem Markt- oder Dorfplatz, hier kann man andere Bewohner treffen, erzählen, lesen, beobachten, essen…

Dieser Marktplatz ist in verschiedene Bereiche gegliedert – Kochen, Essen, Freizeit. Die offene Wohnküche ermöglicht den Bewohnern die Mithilfe bei alltäglichen Tätigkeiten - auch der Zubereitung von Speisen. Die "Bibliothek" im hinteren Teil des Gemeinschaftsraums lädt zum Verweilen ein, ein Kamin mit Sofa und Sesseln davor vermittelt das vertraute Gefühl des Zuhause-seins.

Den pflegebedürftigen Bewohnern soll das Einleben in die Einrichtung erleichtert werden, um sich schnell zu Hause zu fühlen. Ihnen werden vertraute Alltagsstrukturen geboten, in einem Umfeld, das ihnen zudem – falls notwendig – Betreuung und Hilfe bietet.

Vergrößerte Darstellung der Konzeptskizze
Erfahren Sie mehr über das Bauprojekt St. Hildegard
Überblick über unsere Bauprojekte im Bereich Senioren- und Pflegeheime
Den ganzen Vortrag von Herrn Distelkamp-Franken nachlesen (PDF)

 

Oberdischingen
Oberdischingen Konzeptskizze

Oberdischingen
Oberdischingen Sonnenterrasse

Oberdischingen
Oberdischingen Neubau

Oberdischingen
Oberdischingen offene Wohnküche

Was bedeutet Referenzgebäude in der EnEV 2009?

Mit der EnEV 2009 wurde sowohl für Neubauten als auch für Erweiterungen und Ausbauvorhaben über 50 m² Nutzfläche ein neues Nachweisverfahren eingeführt.

Zur Ermittlung des maximal zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs gab es bis zum Inkrafttreten der EnEV 2009 feste Grenzwerte, z.B. 100 kWh/m² im Jahr.

Mit der neuen Verordnung wird der jeweils maximal zulässige Wert anhand der vorgegebenen energetischen Merkmale auf Basis eines Referenzgebäudes ermittelt – ein Gebäude, das in Geometrie, Raumvolumen, Wohnfläche und Ausrichtung mit dem zu planenden Neubau identisch ist. Jeder Neubau erhält also ein eigenes Referenzgebäude.

Der Begriff Referenzgebäude ist hier sehr irreführend, da das Referenzgebäude auf Grundlage des geplanten Neubaus erstellt wird und nicht umgekehrt der geplante Neubau auf ein bestehendes Referenzgebäude zurückgreift!

Alle relevanten Bauteile des Referenzgebäudes werden mit vorgegebenen U-Werten hinterlegt, und das Gebäude wird mit festgelegten Gebäudetechnik-Ausstattungsmerkmalen ausgerüstet. Mit diesen vorgegebenen Merkmalen wird der Jahres-Primärenergiebedarf individuell ermittelt.

Der Neubau darf den durch das Referenzhaus vorgegebenen Grenzwert des Primärenergiebedarfs nicht überschreiten. Der Bauherr ist aber z.B. in der Wahl der Anlagentechnik und Wärmedämmung frei. So könnte eine schlechtere Wärmedämmung im Bereich der Wand durch eine Primärenergie sparende Sonnenkollektoranlage ausgeglichen werden.

Wird aber z.B. ein Bestandsgebäude ausgebaut oder baulich erweitert ohne Änderung der Anlagentechnik, ist bei den Berechnungen des Jahres-Primärenergiebedarfs ein Referenzgebäude zu verwenden, das hinsichtlich der zentralen, gemeinsam mit dem bestehenden Gebäudeteil genutzten anlagentechnischen Komponenten und der Luftdichtheit identisch ist mit dem bestehenden Gebäude. Die Anlagentechnik darf also so ‚schlecht' sein wie im Bestandsgebäude!

Vergrößerte Darstellung der Grafik "Referenzgebäude"

EnEV 2009 im Volltext (nichtamtliche Fassung)

  EnEV

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